Was tue ich, wenn mein Azubi ständig krank ist?

Ausbilder führt ein ruhiges Gespräch mit einem Azubi, der ständig krank ist

Titelbild: KI generiert

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Ihr Azubi ist ständig krank, und Sie sitzen abends am Dienstplan und fragen sich, wie Sie die nächste Fehlzeit auffangen sollen. Vielleicht war es letzte Woche der Montag, diese Woche der Freitag vor dem Berufsschulblock. Andere im Team murren leise, weil sie einspringen müssen, und Sie merken, wie Ihre Geduld dünner wird. Bevor Sie reagieren, lohnt sich ein genauerer Blick: Ist das wirklich ein Muster, oder täuscht Sie gerade der erste Ärger?

Das Wichtigste in Kürze

  • Prüfen Sie zuerst nüchtern anhand der tatsächlichen Fehltage, ob wirklich ein Muster vorliegt, bevor Sie Ihrem Azubi Absicht unterstellen.
  • Fragen Sie nach, bevor Sie urteilen: Hinter häufigen Krankmeldungen steckt oft mehr als Faulheit, zum Beispiel Überforderung, ein Konflikt im Team oder eine private Belastung.
  • Prüfen Sie Ihre eigene Rolle als Ausbilder, bevor Sie Konsequenzen ziehen: War der Sinn der Aufgaben klar, und war Verantwortung wirklich übertragen?
  • Führen Sie ein offenes, nicht anklagendes Gespräch, in dem Sie konkrete Beobachtungen benennen und der jungen Person wirklich zuhören.
  • Wenn sich nach dem Gespräch nichts ändert, ziehen Sie klare und nachvollziehbare Konsequenzen, statt das Thema unbegrenzt weiterlaufen zu lassen.
  • Holen Sie sich Unterstützung von Berufsschule, Ausbildungsleitung oder Kammer, wenn Sie mit dem Thema allein nicht weiterkommen.

Ist mein Azubi wirklich ständig krank – oder täuscht mich der erste Eindruck?

Der Eindruck „ständig krank“ entsteht oft schneller, als die Zahlen es hergeben. Ein Azubi, der zweimal im Monat montags fehlt, wirkt in einem kleinen Team sofort auffällig, weil jede Fehlzeit dort unmittelbar spürbar wird. Deshalb lohnt sich zuerst ein nüchterner Blick auf die tatsächlichen Fehltage der letzten drei bis sechs Monate, bevor Sie eine einzelne Situation vorschnell als Muster bewerten.

Bundesweit befinden sich aktuell rund 1,21 Millionen Menschen in einer betrieblichen Ausbildung (Statistisches Bundesamt). Ein großer Teil davon steckt im ersten oder zweiten Ausbildungsjahr, in dem sich Körper und Alltag erst noch auf den Vollzeit-Arbeitsrhythmus einstellen müssen. Wer zuvor Schule oder ein anderes Tempo gewohnt war, wird in dieser Phase tatsächlich häufiger krank als später im Berufsleben. Das erklärt nicht jede Fehlzeit, relativiert aber den ersten Reflex, gleich von Drückebergerei auszugehen.

Woran erkenne ich, ob die Fehlzeiten meines Azubis wirklich auffällig sind?

Schauen Sie zuerst auf die Verteilung: Häufen sich die Fehltage an bestimmten Wochentagen, direkt vor oder nach dem Berufsschulblock oder vor unbeliebten Aufgaben? Ein wiederkehrendes Muster ist ein deutlich stärkeres Signal als drei zufällig verteilte Fehltage in einem halben Jahr. Achten Sie auch auf die Dauer der einzelnen Krankmeldungen und darauf, ob Ihr Azubi von sich aus Bescheid gibt oder immer erst auf Nachfrage reagiert.

Ein Blick in die typischen Krankmeldungs-Muster bei Montags- und Freitagsausfällen hilft, die eigene Beobachtung einzuordnen, ohne vorschnell zu urteilen. Wichtig ist: Ein auffälliges Muster ist ein Anlass für ein Gespräch, kein Beweis für eine Absicht. Die Ursache klärt sich erst im Dialog, nicht am Dienstplan.

Welche Gründe stecken häufig hinter häufigen Krankmeldungen in der Ausbildung?

Hinter Fehlzeiten bei jungen Menschen steckt oft mehr als Faulheit. Manche Azubis sind fachlich oder körperlich überfordert und trauen sich nicht, das offen zu sagen. Andere erleben ein raues Betriebsklima, Ausgrenzung im Team oder das Gefühl, mit Fragen niemanden erreichen zu können. Wieder andere tragen private Belastungen mit sich, von familiären Konflikten bis zu finanziellen Sorgen, die im Arbeitsalltag keinen Raum finden.

Es gibt auch die einfache Erklärung: eine echte gesundheitliche Anfälligkeit, eine falsche Berufswahl, die sich erst im Alltag zeigt, oder tatsächliches Vermeidungsverhalten. Genau deshalb lohnt es sich, nicht mit einer fertigen Diagnose ins Gespräch zu gehen, sondern mit echter Neugier für das, was dahintersteckt.

Vier Fragen, um zu prüfen, ob ein Azubi ständig krank ist oder nur einzelne Fehltage hat
Diese vier Fragen helfen, Fehlzeiten einzuordnen, bevor Sie entscheiden, ob Ihr Azubi wirklich ständig krank ist oder ob es sich um Einzelfälle handelt.

Welche Rolle spiele ich selbst, wenn mein Azubi ständig krank ist?

Bevor Sie das Gespräch suchen oder gar Konsequenzen erwägen, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die eigene Ausbilderrolle. Das ist kein Schuldeingeständnis, sondern der wirksamste erste Schritt, weil er den eigenen Gestaltungsspielraum in den Vordergrund rückt. Der Ton dabei bleibt neugierig, nicht anklagend, auch sich selbst gegenüber.

Habe ich meinem Azubi den Sinn seiner Aufgaben klar gemacht?

Fragen Sie sich: Weiß mein Azubi, warum eine Aufgabe wichtig ist, oder wird sie nur abgearbeitet, weil sie eben auf dem Plan steht? Ist erkennbar, wer im Betrieb erster Ansprechpartner bei Unsicherheit ist, und wird diese Person auch tatsächlich erreicht? Passen Anspruch und Tempo der Aufgaben zum aktuellen Ausbildungsstand, oder wurde von Anfang an zu viel vorausgesetzt?

Wenn eine dieser Fragen mit „eigentlich nicht“ beantwortet wird, beginnt die Lösung nicht bei Ihrem Azubi, sondern bei der eigenen Ausbildungspraxis. Das gilt besonders in den ersten Wochen, die für ein klärendes Mitarbeitergespräch ohnehin eine gute Gelegenheit bieten, Erwartungen beidseitig zu justieren.

Trage ich durch Druck oder Überforderung selbst dazu bei, dass mein Azubi ständig krank ist?

Prüfen Sie ehrlich, ob Zeitdruck, ein rauer Umgangston oder ständig wechselnde Ansagen im Team zur Belastung beitragen. Ein Azubi, der sich morgens vor der Arbeit fürchtet, wird eher krank als jemand, der sich sicher und gesehen fühlt. Das bedeutet nicht, dass jede Fehlzeit Ihre Schuld ist. Es bedeutet nur, dass ein Teil der Antwort in Ihrer eigenen Führungspraxis liegen kann.

Was bewirken Commitment, Wertschätzung und Wirksamkeit, wenn mein Azubi ständig krank ist?

Genau hier setzt das CoWeWi-Prinzip an. Commitment entsteht beim Azubi, wenn er versteht, warum eine Aufgabe zählt, und wenn ihm echte, altersgerechte Verantwortung übertragen wird. Wertschätzung entsteht, wenn er mit seinen Fortschritten und auch mit seinen Anfängerfehlern gesehen wird, statt nur bei Problemen aufzufallen. Wirksamkeit entsteht, wenn Erwartungen, Ansprechpartner und Ressourcen so klar sind, dass gutes Arbeiten überhaupt möglich wird.

Wo eines dieser drei Elemente fehlt, wächst der innere Widerstand, und ein müder Körper findet leichter einen Grund, zu Hause zu bleiben. Das entlastet niemanden von Verantwortung, öffnet aber einen Hebel, der oft wirksamer ist als jedes Gespräch über Fehlzeiten allein.

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Wie führe ich das Gespräch, wenn die Fehlzeiten meines Azubis nicht aufhören?

Warten Sie nicht, bis der Ärger im Team so groß ist, dass das Gespräch zur Abrechnung wird. Führen Sie es, sobald Sie ein erstes belastbares Muster erkennen, ruhig, unter vier Augen und ohne Publikum. Ziel ist nicht, eine Rechtfertigung einzufordern, sondern gemeinsam zu verstehen, was hinter den Fehlzeiten steckt.

Wie beginne ich das Gespräch mit meinem Azubi über seine Fehlzeiten?

Beginnen Sie mit der Beobachtung, nicht mit dem Vorwurf: „Mir ist aufgefallen, dass Sie in den letzten zwei Monaten an fünf Tagen gefehlt haben, meistens montags. Das macht mir Sorgen, und ich möchte verstehen, was dahintersteckt.“ Diese Formulierung beschreibt ein Verhalten, ohne die Person als Ganzes zu bewerten, und öffnet den Raum für eine ehrliche Antwort.

Lassen Sie danach bewusst Stille zu. Viele Azubis erwarten in diesem Moment eine Standpauke und sind überrascht, wenn stattdessen eine echte Frage kommt. Genau diese Überraschung macht ehrliche Antworten wahrscheinlicher als jede Ermahnung.

Was mache ich, wenn mein Azubi sich im Gespräch verschließt?

Wenn die Antwort nur „Ist schon okay“ oder Schweigen ist, drängen Sie nicht sofort weiter. Sagen Sie stattdessen: „Ich glaube Ihnen, wenn Sie sagen, es ist okay. Trotzdem bleibt für mich die Fehlzeit im Blick, und ich möchte, dass Sie wissen: Sie können jederzeit auf mich zukommen, auch wenn es um etwas geht, das nichts mit der Arbeit zu tun hat.“ Damit öffnen Sie eine Tür, ohne die junge Person hindurchzuschieben.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass mehr als gewöhnliche Erschöpfung dahintersteckt, etwa eine ernsthafte private Krise, kann ein Fürsorgegespräch der passendere nächste Schritt sein. Dort geht es weniger um Fehlzeiten als um die Person selbst, ohne dass Sie als Ausbilder in eine therapeutische Rolle geraten.

Fünf Schritte für das Gespräch, wenn ein Azubi ständig krank ist
In fünf Schritten führen Sie ein klärendes Gespräch, wenn Ihr Azubi ständig krank ist: Beobachtung benennen, Sorge zeigen, zuhören, Ursache verstehen, Vereinbarung treffen.

Was tue ich, wenn sich trotz Gespräch nichts ändert?

Manchmal bleibt es nach einem guten Gespräch trotzdem bei häufigen Fehlzeiten, weil die Ursache größer ist als ein einzelnes Gespräch lösen kann, oder weil tatsächlich keine echte Bereitschaft zur Veränderung besteht. In diesem Fall braucht es klare nächste Schritte, die weder Sie noch Ihren Azubi im Ungefähren lassen.

Welche konkreten Schritte helfen mir jetzt weiter?

  • Führen Sie ein kurzes wöchentliches Check-in-Gespräch ein, in dem Sie Belastung und Befinden frühzeitig ansprechen, bevor eine weitere Krankmeldung eintrifft.
  • Klären Sie mit der Berufsschule, ob dort ein ähnliches Fehlzeitenmuster auftritt, um Ursache und Ausprägung besser einordnen zu können.
  • Vereinbaren Sie transparent eine frühere Attest-Regel, wenn die betriebliche Praxis das zulässt, statt sie erst im Streitfall einzuführen.
  • Binden Sie die Ausbildungsleitung oder Personalabteilung frühzeitig ein, statt das Thema allein zu tragen und sich damit zu überfordern.
  • Dokumentieren Sie Fehlzeiten, Gespräche und Vereinbarungen sachlich und zeitnah, damit spätere Schritte für alle Seiten nachvollziehbar bleiben.
Checkliste, ob ein Azubi ständig krank ist und gehandelt werden muss
Diese Checkliste zeigt, ob Sie handeln sollten oder noch abwarten können, wenn Ihr Azubi ständig krank ist.

Wann ist der Punkt erreicht, an dem ich als Ausbilder Konsequenzen ziehen muss?

Wenn Sie das Muster benannt, nach der Ursache gefragt, eine faire Vereinbarung getroffen und ausreichend Zeit für Veränderung gegeben haben, und sich trotzdem nichts bewegt, ist eine klare Konsequenz kein Widerspruch zu guter Führung, sondern deren logische Folge. Sprechen Sie in diesem Fall mit der Ausbildungsleitung oder der zuständigen Kammer über die nächsten formalen Schritte, von einer dokumentierten Ermahnung bis zu einer möglichen Abmahnung.

Eine Kündigung des Ausbildungsverhältnisses nach der Probezeit ist nur aus einem wichtigen Grund möglich und sollte immer mit rechtlicher oder kammerseitiger Beratung vorbereitet werden. Wichtig bleibt dabei: Konsequenzen ersetzen nicht den vorherigen Dialog, sie folgen ihm. Wer zuerst Konsequenzen androht und erst danach fragt, verspielt genau das Vertrauen, das für eine echte Verhaltensänderung nötig wäre.

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Azubi ständig krank: Was bleibt jetzt zu tun?

Wenn Ihr Azubi ständig krank wirkt, lohnt sich zuerst der nüchterne Blick auf die Zahlen, dann die ehrliche Prüfung der eigenen Ausbilderrolle und erst danach das offene Gespräch. Konsequenzen gehören dazu, aber als letzter und nicht als erster Schritt.

  1. Prüfen Sie anhand der tatsächlichen Fehltage der letzten Monate, ob wirklich ein Muster vorliegt.
  2. Reflektieren Sie, ob Sinn, Erwartungen und Ansprechbarkeit in Ihrer Ausbildungspraxis wirklich klar sind.
  3. Führen Sie ein offenes, beobachtungsbasiertes Gespräch und treffen Sie eine konkrete, überprüfbare Vereinbarung.
  4. Ziehen Sie klare Konsequenzen, wenn sich trotz Dialog und fairer Chance nichts ändert, und holen Sie sich dafür Unterstützung von Kammer oder Ausbildungsleitung.

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Häufige Fragen zu Azubi ständig krank

Darf ich als Ausbilder schon ab dem ersten Krankheitstag ein Attest verlangen?

Nach § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz kann der Arbeitgeber die ärztliche Bescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag verlangen, auch ohne besonderen Anlass. Kommunizieren Sie eine solche Regel transparent und einheitlich für alle Auszubildenden, um sie nicht als gezielte Reaktion auf eine Person wirken zu lassen.

Wie viele Fehltage sind in der Ausbildung noch normal?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Entscheidend ist weniger die absolute Anzahl der Fehltage als das Muster dahinter: wiederkehrende Wochentage, Häufung vor bestimmten Aufgaben oder ein plötzlicher Anstieg gegenüber den ersten Ausbildungsmonaten sind aussagekräftiger als eine einzelne Zahl.

Kann ich einem Azubi wegen häufiger Krankmeldungen kündigen?

Nach der Probezeit ist eine Kündigung des Ausbildungsverhältnisses nur aus einem wichtigen Grund möglich, echte Krankheit allein reicht dafür in aller Regel nicht aus. Lassen Sie einen solchen Schritt immer vorher von der zuständigen Kammer oder rechtlich prüfen, statt allein zu entscheiden.

Was mache ich, wenn ich Mobbing oder Überforderung als Ursache vermute?

Sprechen Sie den Verdacht ruhig und ohne Vorverurteilung an, sowohl im Gespräch mit Ihrem Azubi als auch bei Bedarf im Team. Prüfen Sie zusätzlich die Arbeitsverteilung und den Umgangston im Betrieb. Bei anhaltenden Konflikten hilft es, die Ausbildungsleitung oder eine neutrale Vertrauensperson einzubeziehen.

Sollte ich die Eltern meines minderjährigen Azubis einbeziehen?

Bei minderjährigen Auszubildenden kann ein Gespräch mit den Erziehungsberechtigten sinnvoll sein, besonders wenn private Belastungen eine Rolle spielen. Sprechen Sie das offen mit Ihrem Azubi an, statt die Eltern ohne sein Wissen zu kontaktieren, und wägen Sie ab, ob das Thema tatsächlich diese Ebene erfordert.

Bild von Christine Schmitt

Christine Schmitt

Christine führt seit über 10 Jahren Teams und Bereiche in der Industrie. Zuletzt mit Verantwortung für über 160 Mitarbeitende.

Heute unterstützt Sie Unternehmen und Führungskräfte dabei durch eine klare Führung Menschen zu stärken und gleichzeitig effizienter zusammenzuarbeiten.

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