Ich glaube, mein Mitarbeiter arbeitet nicht im Homeoffice. Was kann ich tun?

Eine Führungskraft im Homeoffice, die sich die Frage stellt: "Mitarbeiter arbeitet nicht im Homeoffice? Was kann ich tun?"

Inhalt

Sie sitzen im Büro, sehen den Teams-Status, warten auf Rückmeldung und denken: Mein Mitarbeiter arbeitet nicht im Homeoffice. Vielleicht kommt weniger zurück als erwartet. Vielleicht stimmt die Leistung, aber Sie haben das Gefühl, da wäre mehr möglich. Entscheidend ist jetzt: Handeln Sie auf Basis von Beobachtungen, nicht auf Basis von Verdacht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Verdacht ist noch kein Leistungsproblem. Prüfen Sie zuerst, ob Ergebnisse, Termine oder Qualität messbar schlechter geworden sind.
  • Wenn die Leistung stimmt, geht es wahrscheinlich um Vertrauen, Klarheit oder Ihr Bild von Arbeit.
  • Sprechen Sie keine Unterstellung aus. Benennen Sie konkrete Beobachtungen: Was fehlt, seit wann, mit welcher Wirkung?
  • Mehr Kontrolle erzeugt oft Scheinaktivität. Menschen wirken beschäftigt, liefern aber deshalb nicht automatisch bessere Ergebnisse.
  • Mehr Leistung entsteht durch klare Erwartungen, echtes Commitment und bessere Arbeitsbedingungen.
  • Wenn Sie glauben, dass mehr möglich wäre, führen Sie ein Potenzialgespräch statt eine Homeoffice-Debatte.

Woran erkenne ich, ob mein Mitarbeiter im Homeoffice nicht arbeitet?

Die erste Frage lautet: Woran machen Sie es fest? Werden Deadlines gerissen? Kommen Ergebnisse später? Hat die Qualität nachgelassen? Ist die Person in vereinbarten Zeitfenstern nicht erreichbar?

Wenn Sie solche Beobachtungen haben, haben Sie ein konkretes Führungsthema. Dann geht es um Leistung, Verlässlichkeit oder Zusammenarbeit. Das können und sollten Sie ansprechen.

Wenn Sie keine konkreten Beobachtungen haben, bleibt es ein Gefühl. Vielleicht sehen Sie die Person nicht. Vielleicht fehlt Ihnen die Sicherheit, die früher durch Anwesenheit im Büro entstanden ist. Dann lautet die ehrliche Frage: Arbeitet der Mitarbeiter wirklich nicht, oder fehlt Ihnen nur die Sichtbarkeit?

Welche Beobachtungen zur Arbeitsleistung kann ich fair ansprechen? 

Infografik zeigt, wie aus dem Verdacht „Mitarbeiter arbeitet nicht im Homeoffice“ eine konkrete Beobachtung und Gesprächsgrundlage wird.
Wenn Sie denken: „Mein Mitarbeiter arbeitet nicht im Homeoffice“, brauchen Sie zuerst eine belastbare Beobachtung. Erst wenn klar ist, was passiert ist und welche Wirkung es hatte, entsteht eine faire Gesprächsgrundlage.

Nutzen Sie für ein Gespräch über die Arbeitsleistung im Homeoffice nur Beobachtungen, die Sie konkret und fair benennen können.  Zum Beispiel: „Der Bericht war zweimal später fertig als vereinbart.“ Oder: „Im Kundenprojekt fehlten drei zugesagte Rückmeldungen.“ Oder: „In den letzten zwei Wochen mussten Kolleginnen mehrfach nacharbeiten.“

Nicht tragfähig sind Aussagen wie: „Du warst oft offline.“ Oder: „Ich hatte das Gefühl, du warst nicht richtig da.“ Solche Sätze führen fast immer zu Rechtfertigung und Misstrauen.

Gute Führung trennt sauber zwischen Eindruck und Fakt. Diese Trennung schützt die Beziehung und macht das Gespräch wirksam.

Das unangenehme Gefühl, dass Mitarbeiter im Homeoffice nicht arbeiten

Homeoffice nimmt Führungskräften etwas weg: die sichtbare Anwesenheit. Niemand sitzt am Platz. Niemand läuft durchs Büro. Niemand wirkt automatisch beschäftigt, nur weil der Bildschirm an ist.

Das verunsichert selbst erfahrene Führungskräfte. Sie merken plötzlich, wie stark sie sich bisher auf Sichtbarkeit verlassen haben. Remote-Arbeit legt offen, ob Führung über Ergebnisse oder über Präsenz funktioniert.

In Deutschland ist Arbeit im Homeoffice längst angekommen. 2024 arbeiteten laut Statistischem Bundesamt 24,1 Prozent aller Erwerbstätigen zumindest teilweise von zu Hause aus. Bei Führungskräften lag der Anteil sogar bei 41,6 Prozent. (Quelle: Statistisches Bundesamt, 2024)

In unserem Podcast „Cappuccino und Leadership” haben wir das Thema Remote-Arbeit und das Führen hybrider Teams genauer besprochen.Hören Sie rein und erfahren Sie, wie zwei erfahrene Führungskräfte mit dem Thema umgehen:

 

Sollte ich die Arbeit im Homeoffice stärker kontrollieren?

Kontrolle fühlt sich schnell nach Sicherheit an. Grüner Status. Schnelle Antwort. Kamera an. Viele Nachrichten. Das wirkt aktiv.

Das Problem: Aktivität ist kein Ergebnis. Wer merkt, dass er beobachtet wird, lernt oft, sichtbar beschäftigt zu sein. Dann werden Nachrichten schneller beantwortet, Meetings künstlich verlängert und Tools offengehalten. Mit echter Leistung hat das nichts zu tun.

Wenn Sie wirklich wissen wollen, was Ihre Mitarbeitenden leisten, schauen Sie auf ihre Ergebnisse. Was wurde geliefert und in welcher Qualität? Wurden Fristen zuverlässig eingehalten? Und welche Wirkung hatten die Ergebnisse für Kunden, Team oder Prozess?

Warum denke ich, dass mein Mitarbeiter im Homeoffice nicht arbeitet? 

Bevor Sie das Gespräch suchen, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf Ihre eigene Führungsarbeit. Es ist der schnellste Weg zu mehr Handlungsspielraum.

Haben Sie klar gesagt, was bis wann erwartet wird? Haben Sie erklärt, welche Aufgabe Priorität hat? Wurde definiert, wann Erreichbarkeit notwendig ist und warum? Haben Sie vereinbart, woran Fortschritt sichtbar wird?

Viele Konflikte im Homeoffice entstehen aus unausgesprochenen Erwartungen. Ihre Mitarbeitenden glauben, das Richtige abzuliefern. Sie hoffen insgeheim auf mehr. Niemand spricht darüber. So wächst Misstrauen.

Wer tiefer in Selbstreflexion als Führungsaufgabe einsteigen will, findet hier eine passende Vertiefung: Selbstreflexion als Führungskraft.

Wie spreche ich es an, dass mein Mitarbeiter nicht im Homeoffice arbeitet?

Führen Sie das Gespräch zeitnah, ruhig und konkret. Nicht zwischen Tür und Angel oder sogar im Teammeeting. Beginnen Sie mit Ihren konkreten Beobachtungen und fragen Sie nach der Ursache. Danach vereinbaren Sie die nächsten Schritte.

Formulieren Sie zum Beispiel: „Mir ist aufgefallen, dass die letzten drei Rückmeldungen später kamen als vereinbart. Im Projekt hat das dazu geführt, dass Kolleginnen warten mussten. Ich möchte verstehen, was dahintersteckt.“

Dann hören Sie zu. Vielleicht gibt es private Belastungen, vielleicht fehlt die Priorisierung oder Abstimmungen sind unklar. Vielleicht gibt es aber auch wirklich ein Leistungsproblem. Sie erfahren es nur, wenn Sie ein offenes Gespräch auf Augenhöhe führen.

Vier Schritte zu einem offenen Gespräch

Infografik zum Gespräch, wenn ein Mitarbeiter nicht im Homeoffice arbeitet: Beobachtung, Wirkung, Perspektive und Vereinbarung.
Wenn der Verdacht bleibt, dass ein Mitarbeiter nicht im Homeoffice arbeitet, hilft ein klares Gespräch: Beobachtung nennen, Wirkung beschreiben, Perspektive erfragen und eine konkrete Vereinbarung treffen.

Nutzen Sie keine pauschale Unterstellung. Sagen Sie nicht Dinge wie: „Sie arbeiten im Homeoffice nicht richtig.“ Dieser Satz macht die Tür zu.

Besser ist ein Gespräch mit vier Schritten:

  1. Beobachtung nennen: „Der Wochenbericht kam zweimal nach dem vereinbarten Termin.“
  2. Wirkung beschreiben: „Dadurch konnte der Vertrieb die Zahlen nicht rechtzeitig nutzen.“
  3. Perspektive erfragen: „Was hat dazu geführt?“
  4. Vereinbarung treffen: „Ab nächster Woche brauche ich den Bericht freitags bis 11 Uhr. Wenn etwas dazwischenkommt, informieren Sie mich spätestens Donnerstag.“

So bleibt das Gespräch bei Leistung und Zusammenarbeit. Der Arbeitsort wird nur dann Thema, wenn er tatsächlich eine Ursache ist.

Wenn Sie für solche Gespräche eine klare Struktur brauchen, passt der Leitfaden zum Thema Mitarbeitergespräch führen.

Wie führe ich auf Leistung, ohne Homeoffice zu kontrollieren?

Arbeit im Homeoffice braucht klare, verbindliche Spielregeln. Legen Sie fest, was fix ist und was frei bleibt. Fix können Termine, Erreichbarkeitsfenster, Kundenreaktionen, Qualitätsstandards und Übergaben sein. Frei kann sein, wann konzentrierte Arbeit passiert, von welchem Ort gearbeitet wird und wie jemand den Tag strukturiert.

Das nimmt Ihnen den Druck der ständigen Kontrolle. Gleichzeitig erhöht es die Verbindlichkeit. Der Mitarbeiter weiß, woran er gemessen wird. Sie wissen, worauf Sie schauen müssen.

Welche Vereinbarungen für Mitarbeiter im Homeoffice helfen sofort?

  • Vereinbaren Sie pro Woche drei relevante und messbare Ergebnisse
  • Legen Sie fest, wann Erreichbarkeit notwendig ist, zum Beispiel für Kunden, Übergaben oder Abstimmungen.
  • Nutzen Sie kurze Fortschritts-Updates, etwa montags Planung und freitags Ergebnisabgleich.
  • Fragen Sie regelmäßig: „Was blockiert Sie gerade, und was brauchen Sie, um wirksam zu arbeiten?“
  • Klären Sie Prioritäten schriftlich, wenn mehrere Aufgaben gleichzeitig laufen.

So kommen Sie aus dem Kontrollzwang in echte Führungsarbeit. Sie schaffen Bedingungen, unter denen Leistung sichtbar und möglich wird.

Zum Thema Ergebnisklarheit passt auch der Artikel über ergebnisorientierte Führung. Für Teams mit wechselnden Arbeitsorten ist außerdem hybride Führung relevant.

Was tue ich, wenn ich glaube, dass mein Mitarbeiter im Homeoffice mehr leisten könnte?

Das ist ein anderes Thema als Arbeitsverweigerung. Wenn Ergebnisse stimmen, Sie aber mehr Potenzial sehen, führen Sie ein Potenzialgespräch.

Sagen Sie: „Die vereinbarten Ergebnisse stimmen. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass bei Ihnen mehr möglich wäre. Ich möchte mit Ihnen schauen, was realistisch ist und was Sie dafür brauchen.“

Dann prüfen Sie gemeinsam drei Möglichkeiten

  1.  Die höhere Erwartung wurde nie klar ausgesprochen. 
  2. Das Potenzial ist da, aber Prozesse, Tools oder Prioritäten bremsen.
  3. Die Person hat sich auf einem bequemen Niveau eingerichtet und braucht eine klare neue Erwartung.

Wie entsteht mehr Leistung im Homeoffice?

Mehr Leistung entsteht nicht durch Druck auf Anwesenheit, sondern durch Commitment, Wertschätzung und Wirksamkeit.

Commitment heißt: Der Mitarbeiter versteht, warum sein Beitrag wichtig ist. Wertschätzung heißt: Sie sehen konkrete Stärken und sprechen sie an. Wirksamkeit heißt: Sie räumen Blockaden aus dem Weg und schaffen klare Bedingungen.

Genau darum geht es im CoWeWi-Prinzip: Führung ist nicht gleichbedeutend mit Kontrolle, sondern schafft Bedingungen, unter denen Menschen Verantwortung übernehmen können.

Gallup zeigt im Engagement Index Deutschland 2025, wie groß der Hebel ist: Nur 10 Prozent der Arbeitnehmenden in Deutschland sind emotional hoch gebunden. Beschäftigte mit hoher emotionaler Bindung fehlen laut Gallup 41 Prozent weniger als Beschäftigte ohne Bindung.

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Fazit: Mitarbeiter arbeitet nicht im Homeoffice? So gehen Sie jetzt vor

Wenn Sie denken: „Mein Mitarbeiter arbeitet nicht im Homeoffice“, starten Sie mit Beobachtung, Selbstprüfung und einem klaren Gespräch. So trennen Sie Verdacht von Leistung und schaffen eine faire Grundlage für Veränderung.

  1. Schreiben Sie drei konkrete Beobachtungen auf, bevor Sie das Gespräch suchen.
  2. Prüfen Sie, ob Ihre Erwartungen zu Ergebnis, Qualität und Termin klar ausgesprochen wurden.
  3. Führen Sie ein Gespräch mit Beobachtung, Wirkung, Frage und neuer Vereinbarung.
  4. Kontrollieren Sie nicht den Arbeitstag, sondern besprechen Sie Ergebnisse und Blockaden regelmäßig.
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Häufige Fragen zu Mitarbeitern, die im Homeoffice nicht arbeiten

Darf ich verlangen, dass mein Mitarbeiter im Homeoffice ständig erreichbar ist?

Ständige Erreichbarkeit ist selten sinnvoll. Legen Sie lieber klare Erreichbarkeitsfenster fest, die zur Aufgabe passen. Entscheidend ist, wann Abstimmung notwendig ist und wann konzentrierte Arbeit Vorrang hat.

Nicht als erste Maßnahme. Prüfen Sie zuerst, ob Erwartungen, Prioritäten und Zuständigkeiten klar sind. Wenn die Leistung trotz klarer Vereinbarungen dauerhaft nicht stimmt, können Präsenzanteile Teil einer Lösung sein.

Dann behandeln Sie es als individuelles Leistungsthema. Sprechen Sie konkrete Beobachtungen an und vermeiden Sie pauschale Regeln für das ganze Team. Sonst bestrafen Sie verlässliche Mitarbeitende mit.

Kontrollieren Sie nicht kleinteilig jeden Arbeitsschritt. Vereinbaren Sie einen festen Rhythmus für Ergebnisse, zum Beispiel wöchentlich. Je kritischer die Aufgabe, desto enger darf der Austausch sein.

Achten Sie auf Muster: weniger Eigeninitiative, sinkende Qualität, Rückzug aus Abstimmungen, keine Ideen mehr, gereizte Reaktionen oder nur noch Dienst nach Vorschrift. Der ArtikelWie merke ich, dass mein Mitarbeiter innerlich gekündigt hat?“ vertieft dieses Thema.

Bild von Christine Schmitt

Christine Schmitt

Christine führt seit über 10 Jahren Teams und Bereiche in der Industrie. Zuletzt mit Verantwortung für über 160 Mitarbeitende.

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